Circular Makerthon 2025: Gemeinsam Lösungen für zirkuläre Wertschöpfung entwickeln

Eine Woche lang intensiv tüfteln, diskutieren, testen und präsentieren; beim Makerthon 2025 im Rahmen des Projekts CirQualityOWL plus arbeiteten Studierende des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik der HSBI gemeinsam mit Unternehmen an praktischen Fragestellungen und Herausforderungen rund um zirkuläre Wertschöpfung. Das Format wurde bereits mehrfach an der HSBI durchgeführt. Unternehmen bringen reale Problemstellungen– die sogenannten Challenges – ein, die von Studierendenteams innerhalb kurzer Zeit bearbeitet werden. Ziel ist es, Theorie und Praxis zu verknüpfen, Studierende und Unternehmen zu vernetzen und neue Perspektiven im Hinblick auf zirkuläre Wertschöpfung und kreative Lösungsentwicklung zu eröffnen.

Auftakt: Vorstellung der Challenges

Im Zuge der Auftaktveranstaltung am 21.10.2025 stellten die eingeladenen Unternehmensvertreter*innen in kurzen Pitches ihr Unternehmen vor und skizzierten die zirkulären Herausforderungen im betrieblichen Alltag. So erhielten die Studierenden konkrete Einblicke, an welchen Fragestellungen sie mit ihrer Fachkompetenz und Kreativität ansetzen und eigene Lösungsansätze entwickeln können. Anschließend blieb im Meet-and-Greet-Format Zeit für Nachfragen und Gespräche, bevor sich die Studierenden zu Teams zusammenschlossen.

Eine Woche konzentrierte Projektarbeit

Nach der Auftaktveranstaltung begann die eigentliche Arbeitsphase; eine Woche lang arbeiteten die Studierenden eigenständig an ihren Aufgaben, tauschten sich regelmäßig mit Coaches der HSBI und des ITES aus und stimmten ihre Ideen mit den Unternehmensvertretenden ab. Dabei ging es nicht nur um technische Lösungen, sondern auch um Fragen der Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Zirkularität.

Langlebige Photovoltaik-Module auf der Markise: die SolarMarkise-Challenge

Die Challenge des Essener Start-ups SolarMarkise drehte sich um flexible Photovoltaikmodule, die in Form von Markisen eingesetzt werden. Die Co-Founder Leonard Young und Adrian Schmidt suchten Ansätze für eine vorausschauende Wartung und eine mögliche Second-Life-Nutzung der Module.

Das Studierendenteam, bestehend aus vier Studierenden des Studiengangs Regenerative Energien im 5. Semester, profitiert von der Challenge gleich doppelt, da das erworbene Wissen über die Funktionsweise und den Aufbau von PV-Modulen auf die Inhalte des Moduls „Photovoltaik“ des Studiengangs vorbereitet.

Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit der vom Unternehmen bereitgestellten PV-Module nutzten sie mit Unterstützung von Mitarbeitenden des ITES einen PV-Flasher in der Experimentierhalle der HSBI. Sie simulierten unterschiedliche Szenarien wie Verschmutzung durch Staub, Laub oder Schnee und untersuchten deren Einfluss auf die Effizienz der Module. Auf dieser Basis entwickelten sie Vorschläge für Wartungs- und Reinigungskonzepte, die dazu beitragen können, die Lebensdauer der Module deutlich zu verlängern. Das Projekt wird im Rahmen des Moduls „zirkuläre Wertschöpfung“ bei Dr. Fabian Schoden weitergeführt.

Controller neu denken: Challenge von WAGO

Der Challenge von WAGO GmbH & Co. KG im Bereich der Automatisierungs- und Verbindungstechnik stellte sich der Wirtschaftsingenieurwesen-Student Nils Jasper, derzeit im 3. Semester. Zur Untersuchung der Nachrüstbarkeit und Modernisierbarkeit demontierte er verschiedene Controller-Generationen und stellte fest, dass ältere Modelle deutlich besser zu zerlegen waren als neuere. Die zunehmende Komplexität erschwert die Reparatur und Wiederverwendung. Im Austausch mit WAGO und nach einer Besichtigung des Unternehmens entwickelte er darauf aufbauend Lösungsansätze, wie ältere Controller, die heutigen Cyber-Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen, dennoch weiter genutzt werden können, etwa für einfachere Anwendungen. Mit dem Ziel, funktionierende Technik länger im Kreislauf halten, statt sie frühzeitig zu ersetzen, konnte er durch die praxisorientierte Vorgehensweise neue Anwendungs- und Konstruktionsszenarien entwerfen. Auch dieses Projekt wird in Form einer Projektarbeit im Studium weitergeführt.

Interne Kreisläufe aufbauen: Weber Food Technology

Die interdisziplinäre Gruppe aus Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens, der Regenerativen Energien und der apparativen Biotechnologie, die an der Challenge von Weber Food Technology SE & Co. KG arbeitete, beschäftigte sich mit unternehmensinternen Material- und Ausstattungsströmen. Sie entwickelten konkrete Konzepte zur verbesserten Abfalltrennung im Unternehmen, erarbeiteten Vorschläge für Mitarbeiterschulungen und bereiteten eine Kommunikationskampagne vor. Die Lösungen sollen in ein internes System zur Wiederverwendung, Weiternutzung und Rückführung eingebettet und in ein digitales Tool überführt werden können.

Abschlusspräsentation und Ausblick

Bei der Abschlussveranstaltung präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse vor einer Jury aus Unternehmensvertretenden sowie Betreuenden der HSBI. Die Vielfalt der Ansätze machte deutlich, wie unterschiedlich zirkuläre Wertschöpfung in der Praxis aussehen kann. Die gewählten Gestaltungs- und Lösungsansätze, die von technisch-theoretischen Tests über Designfragen bis hin zu organisatorischen und digitalen Lösungen reichten, bilden das breite Spektrum der Inhalte und Methoden innerhalb der Studiengänge ab.

Im Anschluss an die Kurzpräsentationen der Studierenden beriet sich die Jury und verlieh Preise für die beste Präsentation sowie für die beste Lösung im Bereich Nachhaltigkeit & Circular Economy und Design & Usability. Die Unternehmen betonten ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit und richteten ein besonderes Dankeschön an die Studierenden, die sich auf die Herausforderungen eingelassen haben und innovative Lösungen präsentieren konnten.

Beim gemeinsamen Ausklang mit Getränken und Catering erhielten alle Beteiligten die Möglichkeit zum Netzwerken, rekapitulierten die vergangenen Tage und planten eine weitere Zusammenarbeit, denn die Ergebnisse des Makerthons sollen aktiv genutzt und zu realen Lösungen weiterentwickelt werden. Für die Studierenden bietet der Makerthon zudem einen konkreten Mehrwert im Studium: Sie können ihre Challenge im Modul „zirkuläre Wertschöpfung“ weiterverfolgen und als Prüfungsleistung ausbauen. Der Makerthon 2025 zeigte einmal mehr, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen sein kann. Die Studierenden erhielten tiefe Einblicke in reale industrielle Fragestellungen und die Unternehmen profitierten von frischen Ideen und neuen Blickwinkeln. Oder, wie es eine Teilnehmerin zusammenfasste: „Besonders erfolgreich wird es dann, wenn man Dinge nicht nur diskutiert, sondern aktiv angeht.“


Autorin: Kerstin Schmidt

Bilder: Patrick Pollmeier

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