8. Juli 2026 – Gemeinsam veranstaltete das Netzwerk biobasierte Werkstoffe (NBW) , der Food-Processing Initiative e.V. und die proWirtschaft GT das Webinar „Materiallösungen zwischen recyclingfähig, erneuerbar und rezykliert“. Die Referenten Michael Martin, Commercial Director, wipak Group und Thomas Kahl, Head of Business Development/New Business, Mondi Group beleuchteten aktuelle Herausforderungen und Chancen, die sich insbesondere durch die neue europäische Verpackungsverordnung PPWR ergeben. Die zahlreichen Fragen der Teilnehmenden wurden ausführlich beantwortet und in einer lebhaften Diskussion vertieft.
Michael Martin, „Die PPWR – eine Chance?“, machte deutlich, dass die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) inzwischen zum Tagesgeschäft vieler Unternehmen gehört. Grundsätzlich bewertete er die Verordnung positiv: Ziel sei es, Verpackungen europaweit zu harmonisieren, die Effizienz zu steigern und mehr Rechtssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig sorgen die komplexen Regelungen und ihre Auslegung derzeit für erhebliche Unsicherheiten in der Praxis. Themen wie Rezyklatverfügbarkeit in geforderten Qualitäten, und die PFAS- Regulierungen sowie unterschiedliche Übergangsfristen stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Martin betonte jedoch, dass der Verbraucherschutz hinter diesen Maßnahmen grundsätzlich positiv zu bewerten sei.
Anhand von Praxisbeispielen aus dem Lebensmittelbereich zeigte er, dass die Bewertung von Verpackungen je nach Zertifizierungsstelle der unterschiedlichen EU-Länder unterschiedlich ausfallen kann. Hier besteht noch Nachholbedarf und Anpassung an die einheitliche PPWR.
Besonderes Augenmerk legte Martin auf die Vermeidung von Materialeinsatz. Ob durch den Wechsel von Verpackungsschalen zu Folienverpackungen oder die Reduzierung von Leerraum in Verpackungen – nach dem Motto „Less is more“ ließen sich nicht nur Kunststoffmengen, sondern auch CO₂-Emissionen spürbar reduzieren. Gleichzeitig hob er die Bedeutung einer besseren Verbraucheraufklärung hervor, um Stoffströme sauber zu halten und die Recyclingfähigkeit in der Praxis zu verbessern. Sein Fazit: „Starten Sie – und starten Sie schnell!“
Im zweiten Teil des Webinars widmete sich Thomas Kahl, „Papier als leistungsfähige Alternative zu flexiblen Kunststoffanwendungen“, der Frage, wo Papierlösungen künftig Kunststoffe ersetzen können. Insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen der PPWR an ein recyclingfähiges Verpackungsdesign sieht er großes Potenzial. Vorgestellt wurden verschiedene marktreife Lösungen, darunter papierbasierte Alternativen zu Palettenstretchfolien, sogenannte TrayWrap-Konzepte für Multipacks sowie innovative Anwendungen im Transport- und Getränkeverpackungsbereich.
Die präsentierten Beispiele zeigten, dass Papierlösungen nicht nur zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen beitragen, sondern auch erhebliche CO₂-Einsparungen ermöglichen können. Laut Kahl ist das Interesse der Industrie an nachhaltigen Papierkonzepten derzeit sehr hoch.
Das Webinar machte deutlich, dass die Transformation der Verpackungswelt zwar mit Unsicherheiten verbunden ist, gleichzeitig, aber vielfältige Innovations- und Optimierungsmöglichkeiten eröffnet. Entscheidend wird sein, frühzeitig Erfahrungen mit neuen Materialien zu sammeln und neue Lösungen konsequent in bestehende Systeme zu integrieren.


